Gesundheitswissenschaftler empfiehlt Schokotrunk für die Schulverpflegung Mit der klaren Empfehlung, Kindern zum Schulfrühstück auch einen Schokotrunk anzubieten, sorgte Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Günter Eissing von der Technischen Universität Dortmund auf einer Pressekonferenz der Aktion Zahnfreundlich e. V. anlässlich der Internationalen Dental Schau in Köln zunächst für ungläubiges Staunen. Warum trotz Zucker nicht nur die Zähne fit bleiben, sondern der gesüßte Kakao auch die mentale Leistung von Kindern signifikant fördert, belegte dann Prof. Dr. Stefan Zimmer, 1. Vorsitzender der Aktion Zahnfreundlich und Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke, gemeinsam mit dem Lehrstuhlinhaber für Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung. Die von ihnen präsentierten Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Studie können dazu anregen, die Zusammensetzung eines (zahn)gesunden Schulfrühstücks neu zu überdenken.

Passend zum Schwerpunktthema “Prophylaxe” der Kölner Fachmesse stellte die Aktion Zahnfreundlich die Frage “Fitmachende Ernährung und fitte Zähne – passt beides zusammen?” in den Mittelpunkt ihrer Presseveranstaltung. “Es passt”, betonen Zahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Günter Eissing. Ihre neuen Erkenntnisse zu einem Schulfrühstück, das Kopf und Zähne fit hält, belegten sie mit den Ergebnissen aktuell durchgeführter wissenschaftlicher Studien. In diesen konnte einerseits eine signifikante Verbesserung der mentalen Leistung von Schulkindern durch ein gesundes Frühstück mit einem Schokotrunk nachgewiesen und andererseits festgestellt werden, dass dieses Frühstück – trotz Zucker im Kakao – den Zähnen nicht mehr schadet als wenn es statt mit Kakao mit Mineralwasser getrunken wird.

Geistige Leistung von Grundschülern
Welchen Einfluss besitzen einzelne Lebensmittel auf die geistige Leistungsfähigkeit von Schülern? Dieser Frage ging die Professur für Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung der TU Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Günter Eissing in einer Untersuchung an vier Dortmunder Grundschulen mit insgesamt 420 Schülern der dritten und vierten Klassen nach. Dabei wurden folgende Lebensmittel untersucht:

1. Ein ausgewogenes Frühstück (Vollkornbrot mit Käse- oder Geflügelwurstbelag, Obst und Gemüse, Milch oder Schokomilch, Mineralwasser)
2. Obst und Gemüse (100 g, bestehend aus Banane, Apfel und Cherry-Tomate)
3. Schokomilch (250 ml mit 1,5 Prozent Fettgehalt)
4. Studentenfutter (50 g, bestehend aus Rosinen und verschiedenen Nussarten)
Die Untersuchungen wurden in drei aufeinanderfolgenden Wochen durchgeführt. Sie begannen in der ersten Woche mit einer Einführung, in den nachfolgenden beiden Wochen fanden die Tests in unterschiedlicher Reihenfolge im nüchternen Zustand oder mit dem Verzehr der Testlebensmittel statt. Der Verzehr erfolgte in der ersten großen Pause, in der vierten Unterrichtsstunde schlossen sich zwei Tests an: KAI, der Kurztest allgemeine Intelligenz und der Konzentrationstest KT 3-4.

Prof. Eissing zu den Untersuchungsergebnissen: “Gegenüber dem nüchternen Zustand ergab sich in beiden Tests eine signifikante Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit bei dem Lebensmittel Schokomilch. Dies war auch der Fall, wenn die Schüler zu Hause morgens gefrühstückt hatten. Eine signifikante Verbesserung ergab sich auch bei dem ausgewogenen Frühstück.”

Während das letztgenannte Ergebnis auch schon bei einer früheren Untersuchung aufgezeigt werden konnte, sind die Ergebnisse der jetzt durchgeführten Studie neu: Danach führte der Verzehr von 100 g Obst und Gemüse zu keinerlei Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit und auch das Studentenfutter zeigte keine signifikanten Verbesserungen.

Das Fazit des Gesundheitswissenschaftlers: “Kakao wird von Kindern bevorzugt, was auf die Süßpräferenz zurückzuführen ist und sich auch nicht durch pädagogische Maßnahmen verändern lässt. Daher ist das Angebot von Kakao in Grundschulen zu bevorzugen.”

Kopf versus Zähne?
Dass ein ausgewogenes Frühstück durchaus kompatibel mit der Forderung nach einem zahngesunden Schulfrühstück sein kann, wies Prof. Dr. Stefan Zimmer mit seinen Untersuchungen in der pH-Telemetriestation der Universität Witten/Herdecke nach:
Dort wurde nach den Regularien der Testung für die Verleihung des Zahnfreundlich-Logos die Kariogenität eines Schulfrühstücks mit Mineralwasser mit dem gleichen Frühstück, aber einem zuckerhaltigen Schokotrunk anstelle des Wassers, verglichen. Das Frühstück bestand aus Apfel und einem Vollkornbrot mit Putensalami. Die Messung der Säureproduktion in der Zahnplaque während und nach dem Frühstück, die für beide Frühstücke jeweils an den gleichen vier Probanden durchgeführt wurde, zeigte keine zusätzliche kariesfördernde Wirkung durch den Schokotrunk. Daher ist aus zahnmedizinischer Sicht nichts gegen ein gesundes Schulfrühstück mit Schokotrunk einzuwenden.

Generell ist es natürlich richtig, dass Zahnmediziner auf kariogene Lebensmittel hinweisen und die Bevölkerung entsprechend beraten. Es muss jedoch auch die Wirkung eines Lebensmittels auf den Gesamtorganismus berücksichtigt werden. Leider ist nicht jedes Lebensmittel, das gut für unseren Körper ist, auch gut für die Zähne. Deshalb müssen Ernährungswissenschaftler und Zahnmediziner eng zusammen arbeiten, um die Bevölkerung nicht durch widersprüchliche Aussagen zu verwirren. Vielmehr müssen Ernährungsempfehlungen gegeben werden, die auf der vernünftigen Abwägung von Vor- und Nachteilen für die Gesamtgesundheit des Menschen basieren. Im vorliegenden Falle musste diese zugegebenermaßen nicht immer einfache Abwägung aber gar nicht getroffen werden, denn der Schokotrunk führte innerhalb des Gesamtfrühstücks nicht zu einer höheren bakteriell bedingten Säurebelastung als das Vergleichsfrühstück mit Mineralwasser.
Pressetext als pdf-Dokument zum Download.