Gefördert durch die EU werden im Rahmen des Schulmilchprogramms insbesondere an Grundschulen Milch oder ein Schokotrunk von den Molkereien mit je 1,5 Prozent und 3,5 Prozent Fettanteil angeboten. Beide Getränke enthalten als einen Hauptbestandteil das Kohlenhydrat Laktose, also Milchzucker. Um der Geschmackspräferenz von Kindern und Jugendlichen zu entsprechen, werden beim Schokotrunk jeweils 2,1 g Saccharose (Haushaltszucker) und Glucose (Traubenzucker) pro 100 ml zugesetzt. Damit enthält ein 250-ml-Schokotrunk 5,3 g Saccharose bzw. Glucose.
“Kinder mögen Kakao”, so lautet das Ergebnis einer Milch-/Kakao-Studie, die Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Günter Eissing mit Kollegen 2003/2004 in einer Dortmunder Grundschule mit Schülerinnen und Schülern in dritten und vierten Klassen durchgeführt hat. Das Ergebnis habe ihn keineswegs überrascht, so der Lehrstuhlinhaber für Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung an der Technischen Universität Dortmund.

Die Geschmackspräferenz ergibt sich aus vielen Parametern
“Beim Verzehr von Lebensmitteln erfolgt eine sensorische Wahrnehmung (z. B. süß, bitter, fest). Erst danach wird die Bewertung‚ Bevorzugung oder Abneigung vorgenommen”, erklärt der Gesundheitswissenschaftler. “Diese Eindrücke haben sich aufgrund von individuellen Erfahrungen entwickelt, sind aber sehr stark von physiologischen und soziokulturellen Faktoren abhängig.” Aus allen Parametern ergibt sich insgesamt die Geschmackspräferenz eines Menschen.

Zu den physiologischen Faktoren wird die Süßpräferenz als gesichert gezählt: Sie ist in allen Kulturen zu beobachten und wird aus der Evolutionstheorie begründet: Süße Lebensmittel enthalten in der Regel einen hohen Energiegehalt und eine Vielzahl essenzieller Vitamine, insbesondere die Muttermilch ist sehr süß. “Darüber hinaus gibt es keine giftigen Pflanzenprodukte, die süß sind”, unterstreicht der Gesundheitswissenschaftler.

Wem schmeckt welche Milch?
In einer umfangreichen Untersuchung wurden bereits 1996 die Geschmackspräferenzen von 570 Kindern im Durchschnittsalter von 11,5 Jahren (5. und 6. Klassenstufe) für 114 Speisen und 14 Getränke anhand einer Smiley-Skala von -2 bis +2 erfasst. Im Ergebnis wiesen Kakao und Mineralwasser eine mittlere Beurteilung von von 1,0 auf (Apfelsaft 1,3). Während Milch mit 1,5 Prozent Fett im Mittel mit 0,7 und mit 35 Prozent Fett immerhin noch mit 0,2 beurteilt werden, erteilten aber 41 % der Kinder der Milch mit 3,5 Prozent eine klare Absage: Sie wollten diese Milch auf keinen Fall oder ungern trinken!

Prof. Eissing und Kollegen haben nunmehr in einer Untersuchung der 3./4. Klasse einer Grundschule und in der Sek I-Stufe (Klassen 7 und 9) mit der gleichen Skala erneut die Geschmackspräferenzen erfasst. Für Milch ergab sich dabei eine breite Verteilung auf die Präferenzen. Bei den Grundschülern beurteilten sie 48 Prozent der Kinder mit den Werten -2 bis 0, aber nur 26 Prozent mit dem Skalenwert +2. In der Klasse 7 waren es sogar 61 Prozent, die zwischen -2 bis 0 werteten.

Für den Kakaotrunk war eine völlig andere Verteilung der Präferenzen festzustellen. Für alle drei Klassen wurde von über 50 Prozent der Schüler/innen eine +2 vergeben, bei Grundschülern der Klassen 3 und 4 waren es sogar 76 Prozent! Dagegen waren es weniger als 20 Prozent der Schüler, die den Kakaotrunk mit den Skalenwerten -2 bis 0 beurteilten.

Die Untersuchungsergebnisse sind eindeutig: Kinder präferieren “süß”. Muss man da nicht pädagogisch eingreifen? Prof. Eissing ist überzeugt: „Die Süß-Präferenz lässt sich auch durch pädagogische Maßnahmen nicht verändern. Daher ist für den Verzehr von Milch das Angebot von Kakao in Grundschulen erforderlich.”
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